Immer mehr Universitäten bieten zum Teil mehrmals im Jahr Elternabende an, bei denen sich die Eltern über das Studium ihrer Kinder informieren können. War es vor einem Jahrzehnt noch peinlich für fast jeden Studenten, wenn Mami oder Papi in der Mensa das Essen testet hat oder als Vormund auf dem Bafög-Amt erscheint, ist heute relativ normal geworden.
Eltern wollen informiert sein
An der Universität Kassel wird seit wenigen Jahren im Frühjahr ein Informationsabend für Eltern unter dem Motto „Mein Kind will studieren“ veranstaltet, der von Jahr zu Jahr besser besucht wird. In Frankfurt und Darmstadt sind solche Veranstaltungen gang und gäbe, in Dresden an der Technischen Universität finden Eltern-Campus-Touren sogar sechsmal pro Jahr statt. Die Gründe für diese Entwicklung sind auf verschiedenen Ebenen zu suchen. Während zu Zeiten der heutigen Eltern Abschlüsse wie Magister, Diplom oder das Staatsexamen üblich waren, sind nun besonders Bachelor- und Masterstudiengänge beliebt. Vielen Eltern sind diese Studienabschlüsse daher völlig unbekannt und fremd.
Studenten werden immer jünger
Allerdings hängen auch die Abiturienten heute länger am Rockzipfel der Mutter. Da die Zeit bis zum Abitur verkürzt ist und die Wehrpflicht wegfällt, fangen die Schulabgänger oft mit 17 oder 18 Jahren an zu studieren. In diesem Alter fühlen sie sich häufig noch mit der Organisation eines Studienplatzes überfordert. Die Suche nach einem Platz im Wohnheim, gegebenenfalls einem Nebenjob, die fremde Stadt und das eigenständige Lernen sind Aufgaben, die erledigt werden müssen. Während die Eltern dies in ihrem Studium noch selbst erfüllt haben und daran gewachsen sind, nehmen sie heute ihren Kindern einen Großteil an.
Universitäten reglementieren Einmischung
Auch scheint es ein Trend zu sein, näher am Heimatort und so in greifbarer Nähe zu den Eltern zu studieren. In Kassel beispielsweise leben überdurchschnittlich viele Studenten bei den Eltern. Vom Gymnasium zur Universität besteht daher kein großer Unterschied: Morgen fährt man zur Uni, zum Mittagessen geht’s an den gedeckten Tisch bei Muttern und beim Abendbrot wird über den Studienalltag berichtet. Doch wird man so erwachsen?
Einige Universitäten schieben bereits in gewissen Situationen den Riegel vor und verweisen die Eltern in ihre Schranken. Immer häufiger kommt es nämlich vor, dass Eltern auch im Universitätsalltag für ihre Kinder Aufgaben erledigen wollen. Gibt es Unstimmigkeiten im Wohnheim, ist der Hausmeister kurzzeitig nicht erreichbar oder will der Student eine bessere Note, melden sich die Eltern und verlangen Klärung. Da Akademiker aber im späteren Job Menschen führen, Krisen überstehen und flexibel sein sollten, wird den Eltern relativ eindeutig erklärt, dass der Nachwuchs sich selbst melden müsse. Wer im Studium keine Herausforderungen bewältigt, wird auch im Beruf damit Probleme haben.
Bildquelle:© seen – Fotolia.com