Wenn Papa mittags von der Arbeit nach Hause kommt, nimmt er sich eine Flasche Bier und setzt sich damit vor den Fernseher; für den kleinen Micha hat er dann keine Zeit. Kommt die 13-jährige Melanie nachmittags aus der Schule, kocht sie für sich und ihren Bruder etwas zu Essen und räumt dann auf. Papa ist nach der dritten Flasche Bier und ein paar Schnäpsen mittlerweile auf dem Sofa eingeschlafen. Immer mehr Kinder leiden darunter, dass ihre Eltern Alkoholiker sind
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Jedes achte Kind betroffen
Nach außen bleibt die Situation in der Familie und die Alkoholabhängigkeit der Eltern häufig unentdeckt, da sie sich gut verstecken lässt – die Kinder leiden jedoch trotzdem in den meisten Fällen. Allein in Dortmund ist jedes achte Kind in einer solchen Situation. Das Gesundheitsamt, das Jugendamt, Selbsthilfegruppen und andere Institutionen unternehmen viel, um Eltern und Kinder zu unterstützen; in 350 Fällen ist dies bereits gelungen. Dem Jugendamt geht es dabei in erster Linie darum, dass die Eltern stabilisiert werden. Wenn es irgendwie möglich ist, sollen die Kinder bei ihren Eltern bleiben.
Für Kinder hat das Aufwachsen bei alkoholkranken Eltern mehrere Nachteile. Zum einen haben Untersuchungen ergeben, dass nur etwa ein Drittel aller Alkoholiker-Kinder in ihrem weiteren Leben keine bleibenden Schäden haben werden. Der Rest wird entweder selbst abhängig oder hat psychische Störungen unterschiedlicher Art.
Auch wenn der betroffene Elternteil nur schlafend auf dem Sofa liegt, bekommen Kinder mit, dass etwas nicht stimmt, eine veränderte Atmosphäre herrscht. Auch ändert sich die Stimmung von betrunkenen Menschen recht schnell und für Kinder unvorhersehbar, sodass sie verunsichert und ängstlich sind. In vielen Fällen denken Kinder außerdem, dass sie ihren Eltern helfen müssten. Zum einen sehen sie, dass Mama oder Papa die Aufgaben nicht mehr alleine bewältigen, zum anderen versuchen sie so, ab einem gewissen Alter zu vermeiden, dass die Umwelt von der Alkoholkrankheit erfährt. Sie werden daher sehr früh selbstständig und können ihre Kindheit nicht genießen.
Hilfe durch das Blaue Kreuz
Betroffene Kinder und Jugendliche haben oft die unberechtigte Angst, sich an das Jugendamt oder Gesundheitsamt zu wenden, aus Sorge, dass sie von den Eltern getrennt werden. Eine Alternative ist das Blaue Kreuz, das in Deutschland an mehr als 400 Standorten vertreten ist. Der Verband hilft Menschen mit Süchten, hat aber auch Kindergruppen, in denen Beratung und Hilfe angeboten wird.

In den Schulen könnte sicherlich auch mehr getan werden, um Kindern zu helfen, mit Suchtproblemen zuhause umzugehen. Wie hier im Beitrag geschrieben, leidet jedes achte Kind unter Alkoholproblemen zuhause – dies deckt sich mit unseren Zahlen – hinzu kommen aber auch noch die Betroffenen von anderen Süchten (Tabletten, Fressen, Sexsucht, Kaufsucht etc.).